Präambel

Warum fühle ich mich bemüßigt, die Geschichte des kleinen Ortes Jennewitz, am nördlichen Stadtrand von Kröpelin gelegen, aufzuschreiben? Ein Ort, von dem vielleicht 0,0003462  % der Weltbevölkerung überhaupt einmal etwas gehört haben.
Die Antwort ist nicht sonderlich schwer. In Bad Doberan aufgewachsen, war ich von Ende der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre in der Region um Kröpelin, in der Landwirtschaft, tätig. Dabei war Jennewitz viele Jahre mein morgendlicher Anlaufpunkt zu Arbeitsbeginn. 1998, zwischenzeitlich zum selbstständigen Baubetreuer umgeschult und avanciert, kaufte ich, gemeinsam mit meiner Frau, das ehemalige Gutshaus Jennewitz. Dieses denkmalgeschützte Gebäude, zwischenzeitlich saniert und als Wohnobjekt mit sechs Wohnungen vermietet, weckte mein geschichtliches Interesse.

Allein im Landes-Haupt-Archiv-Schwerin lagern, öffentlich zugänglich, gut 200  Meter Akten vom Domanialamt Doberan. Den von mir gesichtete Aktenstapel über das Gut Jennewitz, schätze ich auf etwa 2  Meter. Auch das Kreisarchiv Bad Doberan hat viele Akten jüngeren Datums über Jennewitz im Bestand.
Wertvolle Erkenntnisse über geschichtliche Zusammenhänge in der Region erhielt ich durch meine Mitarbeit an der Gemeindechronik von Reddelich & Brodhagen. Besonders die Einordnung regionaler Ereignisse in den Kontext zur Geschichte Mecklenburgs hat dort einen hohen Stellenwert.

Ich werde auch gar nicht erst versuchen, meine Arbeit als objektiv beschreiben zu wollen. Geschichtsschreibung und Objektivität kann man auch getrost als Definition von Antagonismus verwenden. Jeder, der mir seine historischen Beschreibungen als objektiv vermitteln will, macht mich zutiefst misstrauisch. Dogmen und ewig gültige Thesen sind Herrschaftsinstrumente von Systemen, die der Menschheit nichts Gutes gebracht hatten. Die Halbwertzeiten dieser Systheme waren und sind, historisch gesehen, oft so kurz, das eine schriftliche Fixierung wenig lohnenswert ist.

Ich persönlich habe mir angewöhnt, JEDER Aussage von „Experten“ gedanklich das Postscript: » Ja, das könnte stimmen – es könnte aber auch alles ganz anders gewesen sein! « anzufügen. Das macht das Leben nicht unbedingt einfacher, ich habe aber gelernt, auch mit unvollständigen Gedankengerüsten umzugehen. Letztlich muss man bei stiller Skepsis ja nicht jedes Mal den Gegenbeweis liefern.

In diesem Sinne möchte ich meine Ausführungen als Vorschlag verstanden wissen, wie es früher gewesen sein könnte.

Ein Prinzip, dem ich versuchen werde in der gesamten Arbeit treu zu bleiben, ist die Dualität in der Interpretation der Ereignisse. Die Floskeln „Für und Wieder“ oder „einerseits-andrerseits“ sind unerlässlich zur Darstellung der Zwiespältigkeit in den Betrachtungsweisen von Ereignissen. So hat – verständlicherweise – der enteignete Großbauer eine andere Sicht auf die Bodenreform 1945 in der SBZ, als der begünstigte Neubauer.
Perfektioniert wurde das duale Wechselprinzip in der altchinesischen Philosophie. Weit komplexer, als es uns der Zeitgeist glauben machen lässt, wird das Prinzip dort „Yin und Yang“ genannt.

Bei der Durchsicht der Gemeinderatsprotokolle stieß ich auf einen Hinweis, dass Mitte der 1980er Jahre an einer Gemeindechronik gearbeitet wurde. Es ist erstaunlich, dass darüber wohl nur Eingeweihten etwas bekannt ist. Schade finde ich, dass die Dokumentation anscheinend nicht öffentlich ist und die Aufzeichnungen verschollen sind oder in irgendeinem Privatarchiv vor sich hin altern.

Die Geschichte des Ortes Jennewitz ist ein Projekt, das mit seiner Veröffentlichung noch lange nicht beendet ist. Ich werde immer wieder Erweiterungen vornehmen, und neue Erkenntnisse in die Kapitel einarbeiten. Es würde mich auch freuen, wenn ich Tipps oder Hinweise auf mir derzeit unbekannte Quellen erhielte, um diese in das Projekt zu integrieren.

Zu erreichen bin ich über das E-Mail (Post)fach der Site: info@chronik-jennewitz.de

Letzte Änderung: 9. Januar 2017