Kapitel: 2. Das Mittelalter

Jennewitz in der Slawenzeit

995 gilt als Gründungsjahr von Mecklenburg, aufgrund der ersten urkundlichen Erwähnung der Michelenburg in einer Urkunde des jungen Kaisers Otto III. (980-1002). Jennewitz dürfte, nach heutigem Erkenntnisstand, zu diesem Zeitpunkt eine slawische Siedlung gewesen sein.

Kaisers Otto III. versuchte, wenn auch wenig erfolgreich, die durch die Eroberungszüge unter Karl dem Großen, Heinrich I. und Otto dem Großen gewonnenen und inzwischen verlorenen Positionen bei den Nordwestslawen zurückzugewinnen.
Ob die damaligen Jennewitzer etwas von der „großen Politik“ mitbekommen hatten und sich dafür interessierten, werden wir wohl nie herausfinden. Von den Slawen sind keine Aufzeichnungen überliefert. Es wird vermutet, dass sie keine Schriftsprache hatten. Die christlichen Mönche interessierten sich für die slawischen Menschen herzlich wenig, zumindest nach ihren Schriften. Aufgezeichnet wurden vorrangig Steuerverbindlichkeiten, Besitzansprüche und Privilegien.

1160 wurde das Land der Obotriten durch den Sachsenkönig Heinrich den Löwen erobert. Der Obotritenfürst Niklot fand 1160 vor der Burg Werle den Tod. 1167, nach seinem Bekenntnis zum Christentum erhielt Pribislaw, der Sohn Niklots, sein Erbe von Heinrich den Löwen als Lehen zurück.

1171 (1. März) wurde das Klosters Doberan gegründet. Der Abt Konrad zog mit seinem Convent von 12 Zisterziensermönchen aus Amelungsborn (Westfalen) in die neue Besitzung ein.
Der Wendenfürst Pribislaw stattete das Kloster mit einem Gebiet aus, zu dem parkantin, villa slauica doberan, petucha, stulue, raducle, crupelin und wilsna gehörten. Diese Dörfer lagen fast alle an einem Handelsweg von Rostock nach Wismar. Diese Übertragung ist allerdings nicht unumstritten. Als Beweis dafür präsentierte das Kloster eine in Schwerin gefertigte Urkunde, deren Authenzität durchaus bezweifelt werden darf.

1179 (10. November) wurde das Kloster in Althof bei einem Überfall vernichtet und alle Mönche umgebracht. Nach derzeitigem Stand der Geschichtsforscung steht dieser Überfall im Zusammenhang mit Streitigkeiten um die Thronfolge nach dem plötzlichen Tod von Pribislaw.

1186 (25. Juni) wurde das am heutigen Standort in Bad Doberan neu errichtete Kloster eröffnet.

Die offizielle Ortsbeschreibung der Kröpeliner Stadtverwaltung schreibt zur Jennewitzer Geschichte, ohne weitere Quellenangabe:

[…]
1192 wurde Jennewitz erstmalig urkundlich genannt. Aus dem Wendischen Boianevic (»Nachkomme der Bojan«) entstand 1312 Janeviz – das heutige Jennewitz. Kennzeichnend für den Ort waren die Büdnereien und die Mühle. Das Gutshaus in seiner heutigen Gestaltung wurde wahrscheinlich erst nach dem 30jährigen Krieg errichtet. Wenig bekannt ist die enge Verknüpfung der Geschichte des Ortes mit der des Klosters Doberan. 1171 erfolgte die Gründung des Zisterzienserklosters in Doberan. Jennewitz blieb bis 1552 im Besitz des Klosters und ging danach in weltliches Eigentum über.
[Quelle: www.stadt-kroepelin.de]

In der Kröpeliner Stadtchronik von 1932 hingegen ist die Rede von: »Das alte wendische Bajonewitz«.

Wie Jennewitz in den Besitz des Klosters Doberan gelangte, konnte ich noch nicht herausfinden. Aus der Historie anderer ehemaliger Slawendörfer in der Region ist bekannt, dass die Kirche nicht zimperlich war, wenn es um ihre Besitzansprüche an weltlichen Ressourcen ging.
Aus dem Stand der allgemeinen Erforschung slawischer Siedlungsformen schließe ich, dass Jennewitz eigentlich keine bedeutende Siedlung gewesen sein konnte.
Ein wichtiges Kriterium slawischer Siedlungen war der Zugang zu einem offenem Gewässer. In Jennewitz hat aber lediglich eine kleine Quelle am Rand der Kühlung, aus der die Cubanze entspringt. Ich erkenne auch keine Hinweise auf gravierende Veränderungen der Wasserführung in den letzten 1000 Jahren, die auf ein größeres Gewässer in der Slawenzeit schließen ließen. Dazu passt die Endung „itz(e)“ im Ortsnamen, die von einigen Historikern als slawischer Begriff für „Bach“ interpretiert wird.
Jedoch der fruchtbare Boden in und um Jennewitz war gewiss auch für slawische Bauern verlockend.


Letzte Änderung: 2. Januar 2018;