Kapitel: 3. Die Zeit als Domäne

Jennewitz während der NS-Herrschaft 1933 bis 1945

Jennewitzer Nazis, die Spuren ihrer Aktivitäten hinterlassen haben, sind mir nicht bekannt. Auch scheinten Jennewitz und seine Umgebung von den Auswüchsen der Nationalsozialisten, wie Judenverfolgung, Euthanasie oder Kriegsverbrechen, verschont geblieben zu sein. Der Pächter der Domäne und seine Angestellten sowie die Jennewitzer Büdner hatten andere Prioritäten, als sich politisch zu engagieren. Diese Einstellung spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Landtagswahl vom 5. Juni 1932 wieder.

Aus Jennewitz und Hundehagen haben 28 Bürger gewählt. 13 Wähler entschieden sich für die SPD, 12 wählten die NSDAP, 2 die Deutsche Volkspartei und 1 Wähler unterstützte die „Bürgerliche Arbeitsgemeinschaft der Mitte“.

Auch bei der Reichstagswahl 1933 gehörte Jennewitz zu den wenigen Orten, in denen die Nationalsozialisten keine klare Mehrheit bekamen. Der Ostseebote veröffentlichte im März einen ausführlichen Beitrag über die Wahlergebnisse in Mecklenburg und in der Region. Nachfolgendes Faksimile zeigt die Ergebnisse für Jennewitz:

Ostseebote 1933

Eine gewisse wirtschaftliche Aufbruchsstimmung, die nach 1933 im Deutschen Reich geherrscht hat, dürfte auch in Jennewitz nicht verborgen geblieben sein.
Zugpferde für eine Wirtschaftsentwicklung in der Region waren, wie fast überall im Reich, Rüstungsprojekte. Unverzüglich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden diese angegangen. So zog der Ausbau des Luftwaffenstandortes Wustrow nicht nur Bauprojekte direkt am Standort nach sich. Es wurden auch Straßen an den Zuwegungen gebaut und Wohnungen für Offiziere und Angestellte der Flak Artillerie-Schule errichtet. Für das kleine Dorf Alt-Garz, an der Zufahrt zur Halbinsel, bedeutete die Standortwahl eine rasante Entwicklung, die 1938 zur Verleihung des Stadtrechts und zur Umbenennung in Rerik führte.
Rostock, zwar in Sichtweite gelegen, zählt nicht zur unmittelbaren Umgebung von Jennewitz. Dennoch hat die erstarkte Rüstungsindustrie der Hansestadt eine Sogwirkung durch ihren Hunger nach Arbeitskräften entfacht, die bis weit in das Binnenland zu spüren war. Bei Kriegsbeginn arbeiteten alleine in den Heinkel Flugzeugwerken und der Neptunwerft knapp 15.000 Menschen.

Gemeinsam mit dem Umfeld profitierte auch Jennewitz von dieser Entwicklung. Direkt durch die erhöhte Nachfrage an landwirtschaftlichen Produkten, indirekt durch eine bessere Perspektive für Landarbeiterkinder und höheren Standards bei der Infrastruktur.

Einzelheiten zu diesem Thema werde ich noch recherchieren und an dieser Stelle veröffentlichen. Als weiterführende Literatur empfehle ich das Buch des Doberaners Hermann Langer: Leben unterm Hakenkreuz, Alltag in Mecklenburg 1932 bis 1945. Darin sind Ereignisse und Lebensumstände in der Region um Bad Doberan sehr anschaulich beschrieben und in den Kontext zur „großen“ Reichspolitik gesetzt.


Letzte Änderung: 16. Februar 2014;