Kapitel: 4. Jennewitz von 1945 bis 1990

Ortsgestaltungskonzeption von 1985

Mitte der 1980er wurden in der gesamten DDR Ortsgestaltungskonzeptionen erstellt. So auch in der Gemeinde Jennewitz, die ihren Sitz damals in Diedrichshagen hatte. Neben Jennewitz und Diedrichshagen gehörten der Gemeinde noch Boldenshagen, Wichmannsdorf, Horst und Hundehagen an.

Fest integriert war die Gemeinde Jennewitz im Gemeindeverband Kühlung. Der nachfolgende Ausriss verschafft einen Überblick der kommunalen Mitglieder des Verbandes.
Ortsgestaltungskonzeption Jennewitz 1985

Viele kommunale Aufgaben wurden innerhalb des Gemeindeverbandes von den umliegenden Städten, hauptsächlich von Kröpelin übernommen. Für die Gemeinde Jennewitz bedeutete dies im Einzelnen:

  • Schulstandort war Kröpelin und, für die Orte Wichmannsdorf und Horst, Rerik. Kröpelin und Rerik übernahmen auch die Organisation des Schülerverkehrs.
  • Jennewitz, Wichmannsdorf und Diedrichshagen hatten mit ihrem „Dorfkonsum“ eine Einkaufsmöglichkeit für „Waren des täglichen Bedarfs“. Für die erweiterte Versorgung war Kröpelin zuständig.
  • Die Organisation der medizinischen Betreuung durch Allgemein- und Zahnärzte sowie Apotheken oblag gleichfalls Kröpelin.
  • In Kröpelin gab es auch eine „Annahmestelle für Dienstleistungen“. Dort wurden Haushaltsgegenstände zur Reparatur oder Reinigung zentral entgegengenommen und an entsprechende Fachbetriebe weitergeleitet. Auch Mängelbeseitigungen im Rahmen von Gewährleistungen wurden dort abgewickelt [Legendär waren die Wartezeiten. Die Reparatur eines einfachen Radios konnte sich schon mal ein Jahr hinziehen.]
  • Die Organisation des Personennahverkehrs lag in der Verantwortung Kröpelins wie auch die des Güterumschlags.

Auf betrieblicher Ebene hatten innerhalb der Gemeinde die LPG (P)  Kühlung und die LPG Freie Erde die größte Bedeutung. Das Dorf Jennewitz war 1985 Standort eines Technikstützpunkts mit „bedeutender Reparaturbasis“. Dort waren 14 Arbeitskräfte und 14 Auszubildende, 7 je Lehrjahr, beschäftigt. 5 Arbeitsplätze in Jennewitz bot das „Leitbüro für Neuererwesen“ mit angeschlossener Werkstatt. Dabei handelte es sich um eine Abteilung der AIV-Kröpelin. Als Standort für die Tierproduktion war für Jennewitz lediglich ein Kuhstall für 45 Tiere am ehemaligen Gutshaus aufgeführt. Dort arbeiteten 2 Personen

Die Konzeption enthielt auch Angaben über die Einwohner der Gemeinde im Betrachtungszeitraum. Die unterstehende Tabelle verschafft einen guten Überblick.
Ortsgestaltungskonzeption  Jennewitz 1985

Erkannt wurde in der Konzeption eine deutliche Verjüngung der Einwohner und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Gemeinde. Diese reichten von Veränderungen in den Anforderungen im Wohnbereich und der Kinderbetreuung. Wie in der gesamten DDR, herrschte auch in Jennewitz quasi Vollbeschäftigung. Die 218 erwerbsfähigen Einwohner arbeiteten:

  • 72 in der LPG Freie Erde,
  • 64 in der LPG (P) Kühlung,
  • 42 Außenpendler,
  • 19 in öffentlichen Einrichtungen, in Betrieben des Bereichs Handel & Versorgung und der örtlichen Verwaltung,
  • 6 in der Meliorationsgenossenschaft Kröpelin
  • 6 im VEB Rohrleitungsbau Ludwigsfelde,
  • 5 im Neuererzentrum sowie
  • 4 im ACZ Kröpelin

Im Bereich Wohnungen wurde eine sehr akribische Bestandsaufnahme durchgeführt. In der Zusammenfassung ergaben sich 97 Gebäude, die zu Wohnzwecken genutzt wurden und auf die 188 Wohnungen verteilt waren. Von diesen 188 Wohnungen lagen 101 in Privatbesitz, 68 in Volkseigentum und 19 waren in genossenschaftlichem Besitz. 174 Wohnungen waren an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen und 114 verfügten über „Bad & WC„. 34 Wohnungen verfügten 1985 über eine moderne Zentralheizung. Die Klassifizierung in der Bauzustandsbeschreibung reichte über das gesamte Spektrum, also von Neu bis Abbruchreif.
Für die Zukunft wurde der Schwerpunkt im Wohnungswesen der Gemeinde Jennewitz auf Sanierung und Modernisierung der Altbausubstanz gelegt. Dabei fand die Wohnwertsteigerung durch Modernisierung der sanitären Anlagen besondere Erwähnung. Dies alles sollte mit Augenmaß für das dörfliche Gesamtbild geschehen.

Ein Kapitel der Konzeption galt der Entwicklung der gesellschaftlichen Einrichtungen der Gemeinde. In Jennewitz zählten dazu:

  • eine Verkaufsstelle für WtB mit 28 m² Verkaufsfläche in einem der ehemaligen Schnitterkaten,
  • eine Poststelle im Haus Kurrat an der Diedrichshäger Straße,
  • ein Kulturraum mit 80 Plätzen im ehemaligen Gutshaus,
  • ein Kinderferienlager mit 40 Plätzen im ehemaligen Gutshaus,
  • ein Jugendraum mit Ausschank und 40 Plätzen,
  • eine Annahmestelle für Dienstleistungen sowie
  • ein Sportplatz.

Der Widerspruch, wo auf der einen Seite auf die Sammelstelle für Dienstleistungen auf Kröpelin verwiesen wurde und auf der Anderen eine Jennewitzer Annahmestelle benannt wurde, steht tatsächlich so in der Konzeption.

Für die anderen Ortsteile wurden die gesellschaftlichen Einrichtungen ähnlich detailliert aufgelistet. Die Quantität der Einrichtungen wurde für ausreichend befunden.
In diesem Kapitel wurde auch auf ein touristisches Potenzial in der Gemeinde hingewiesen. Zur Ausschöpfung waren allerdings noch viele Maßnahmen nötig. Aufgeführt wurden neben der Beseitigung illegaler Müllkippen und besserer Beschilderung der Rad- und Wanderwege mit Wegweisern auch die allgemeine Verschönerung des Ortsbildes.

Beim interpretieren der Analyse der Infrastruktur in benannter Konzeption, muss der heutige Leser natürlich davon ausgehen, dass diese aus dem Jahr 1985 stammt. Im Vergleich zur Wegebeschreibung von 1837 (siehe Artikel „Topografie von Jennewitz …“) ist die Aussage: » Aus der Analyse geht hervor, dass sowohl die innere, als auch die äußere Verkehrslage als gut zu bewerten ist. «, eher untertrieben. Aus heutiger Sicht natürlich …
Immerhin gab es 1985 in Jennewitz 7 öffentlich zugängliche Fernsprecher, wie Telefone damals genannt wurden.
Eine zentrale Schmutzwasseraufbereitung war nicht vorgesehen. Die Abwässer wurden, wie fast überall in den ländlichen Gemeinden der DDR, in Kleinklärbehältern, mehr schlecht als recht, aufbereitet und in die öffentliche Vorflut geleitet.
Die Versorgung mit Elektroenergie wurde als optimal eingeschätzt. Dafür gab es bei der Versorgung mit Erdgas Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Moniert wurde, dass zwar eine Erdgasfernleitung durch das Gemeindegebiet lief, aber kein Ortsteil versorgt wurde. Die Alternative war Propangas aus Stahlflaschen zum Betrieb der üblichen Gasherde zum Kochen und, im Einzelfall, zur Warmwasserbereitung. Durch die LPG Freie Erde wurde ein 14-tägiger Flaschentausch organisiert. Die nächstgelegene Abfüllstation für Flüssiggas befand sich in Neubukow.

Den Abschluss der Konzeption bildeten konkret benannte Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in der Gemeinde. Für den Ortsteil Jennewitz waren dies:

  • Schaffung eines Kinderspielplatzes,
  • Neugestaltung des Sportplatzes zu einer Kleinsportanlage,
  • Anschluss von Jennewitz-Seeblick und Hundehagen-Waldsiedlung an die zentrale Wasserversorgung,
  • Untermauerung einer LPG-Lagerhalle,
  • Instandsetzung und Rekonstruktion des Kulturhauses (ehemaliges Gutshaus),
  • Instandsetzung des alten Stützpunktes (ehemalige Gutsscheune),
  • Instandsetzung und Modernisierung der Wohnungen Hübner, Fritsche, Scheel, Stahl, Hirsch und Swars sowie die
  • Ausstattung aller Gemeindeeigenen Wohnungen mit Bad & WC bis 1987.

Insgesamt lässt sich sagen, dass diese Konzeption erstaunlich sachlich aufgestellt wurde. Unvermeidliche Phrasen aus Politik und Parteirhetorik finden sich nur in einem einleitenden Absatz. Selbst der nachfolgend zitierte Schlussabsatz der Konzeption lässt es an der damals üblichen Schwülstigkeit fehlen:

Die Zielstellung für die Entwicklung der Gemeinde ist auf die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen einer schönen Wohnkultur und freundlichen. Umgebung sowie auf die weitere Gestaltung, des, geistig- kulturellen Lebens gerichtet.

Die Natur als Quell des Lebens, des mateiellen Reichtums, der Gesundheit und der Freude der Menschen zu erhalten, rationell, auf wissenschaftlicher Grundlage, zu nutzen ist notwendig. Auch ist es notwendig, kommenden Generationen eine gesunde Natur zu hinterlassen.


Letzte Änderung: 19. März 2014;